Bewerben bei einer Designagentur – worauf kommt es an?

Ein junger Mann steht unangekündigt bei uns im Büro, stellt sein Skateboard auf den Tisch und stellt sich vor: „Ich bin Huy!“ Das selbstgebaute Board ist aus hellem Holz und hat grüne Rollen, passend zu unserer Firmenfarbe. Auf der Unterseite steht in schwarzen Folienbuchstaben: „half wild. half amazing.“
Diese Szene hat sich vor zehn Jahren genauso in unserem Gelsenkirchener Büro abgespielt. Was hatte es damit auf sich? Vor uns stand ein Designstudent aus Köln, der mit seiner Geste nicht nur unseren Firmennamen kreativ einsetzte, sondern auch sein Hobby offenbarte. Die Neugierde über den Bewerber war entsprechend groß – und unser CEO Markus Wild lud ihn zum Vorstellungsgespräch ein.

Viele Praktikanten und einige Jahre später: Heute sind die Rollen nicht mehr grün

Bei WILDDESIGN schaffen wir jährlich ein bis zwei neue Jobs, stellen Freelancer ein und vergeben über das Jahr hinweg circa 15 Praktikumsstellen für unsere deutschen Standorte. Wir erhalten – unter normalen, nicht-pandemischen Bedingungen – mehrere Hundert Bewerbungen pro Jahr und schauen uns jede davon an. Übernehmen können wir von den Bewerbern um die zwei Prozent. Wie gelingt es also, aus den vielen Kandidaten herauszustechen?

Mut und Individualität

Ein Beispiel dafür wurde zu Beginn schon beschrieben. Der selbstbewusste Bewerber konnte sich seinen Praktikumsplatz ergattern. Mit ein bisschen mehr Aufwand als gewöhnlich, Mut und Individualität stach er aus einer Masse an Bewerbern heraus.

Das heißt nicht, dass du verrückte Ideen entwickeln musst, um eine Stelle zu bekommen. Schon der Mix aus einer positiven Einstellung, Mühe und Neugierde ist ein gutes Rezept für Erfolg. Beispielsweise stehen die wenigsten Bewerber einfach vor unserer Tür oder rufen bei uns an. Warum eigentlich nicht? Sicherlich ist das nicht in jedem Unternehmen gerne gesehen, aber die Kreativ- und Designbranche ist locker genug.

WILDDESIGN-Luft schnuppern im Praktikum

Fangen wir beim Praktikum an: Wir können stets insgesamt fünf Praktikumsstellen zur gleichen Zeit in Gelsenkirchen und München anbieten. Interessierte Studierende aus aller Welt bewerben sich für unsere Praktika von drei bis sechs Monaten. Besonders beliebt ist unsere Praktikanten-WG in Gelsenkirchen. Die außergewöhnliche Wohnmöglichkeit ist attraktiv für Praktikanten: Sie müssen sich nicht um ihre Bleibe kümmern, wenn sie von weither kommen, und haben auch nach Feierabend ein Team, mit dem sie ihre Freizeit verbringen können. Auf diese Weise sind bei uns bereits Prakti-Dreamteams aus vielen Kulturen entstanden.

Ebenfalls gut zu wissen: 60–70 Prozent unserer Mitarbeiter rekrutieren wir über das Praktikum. Ehemalige Praktikanten klopfen nach Abschluss ihres Studiums einfach wieder bei uns an. Ein Praktikum bei WILDDESIGN lohnt sich also gleich in vielerlei Hinsicht!

Wie sieht die Jobsituation für Designer aus?

Industrial Design liegt in unserer DNA und Medical Design ist unsere Kernkompetenz. Dafür braucht es kompetente Produktdesigner mit einem Verständnis für komplexe technische Geräte. Allerdings wird unsere Arbeit stetig um weitere Fachrichtungen erweitert: Das Aufgabenfeld wird offener, Disziplinen werden breiter und Anforderungen vielfältiger. Besonders eine Design-Disziplin liegt gerade im Trend: UX-Design. Auch unser Bedarf an gutem UX-Design steigt, weil beispielsweise immer mehr Benutzeroberflächen in medizinische Geräte integriert werden. Studieninhalte, Projekte und Fortbildungen den Themen UX- und UI-Design zu widmen ist also gut investierte Zeit.

Mit einer grundsätzlich geringen Fluktuation unter den Mitarbeitern erfreuen wir uns bei WILDDESIGN an langjährigen Angestellten. Auch wenn deine Traumstelle also gerade nicht ausgeschrieben ist, sind wir auf deine Initiativbewerbung gespannt.

Worauf es ankommt

Wie wählen wir aus und was sind Anforderungen, die wir an unsere Bewerber stellen?

Ausbildung & Praxiserfahrung

Im Studium lernst du das strukturierte Vorgehen, das in unserer Branche sehr wichtig ist. Bei deinen bisherigen Praxiserfahrungen kommt es nicht darauf an, ob du Top-Marken im Lebenslauf gesammelt hast. Auch bei kleinen oder unbekannten Unternehmen kann man viel lernen. Interessant ist vor allem deine Reflexion: Warum hast du dich für eine Station entschieden und was hast du dort gelernt? Softwarekenntnisse wie SolidWorks, Adobe XD oder Erfahrungen mit Modellbau und 3D Druckern sind bei uns von Vorteil.

Die Aufmachung

Der erste Eindruck der Bewerbung spielt natürlich eine bedeutende Rolle, noch bevor man die Bewerber persönlich kennenlernt. Daher ist ein interessantes Portfolio mit sauberer Aufmachung sehr wichtig für eine erfolgreiche Bewerbung. Die besteht in der Regel aus drei Teilen: dem Anschreiben, dem Lebenslauf und Arbeitsproben im Portfolio. Insbesondere im ersten Teil soll die Motivation für den Job deutlich rüberkommen: Ein Standard-Anschreiben, das 1:1 auch an andere Unternehmen geschickt werden könnte – oder in CC sogar an sie geschickt wird – transportiert nicht wirklich die Begeisterung für genau unsere Position. Bei der Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ lesen wir meist gar nicht weiter.

Auch beim Lebenslauf kommt es auf die Form an: Einen ordentlich formatierten Lebenslauf sehen wir uns gern an. Dazu gehört nicht zuletzt auch ein qualitativ hochwertiges Foto. Oft werden Lebensläufe grafisch illustriert, um eine besondere Note mit einzubringen. Seid damit lieber vorsichtig! Und – Templates spiegeln die Individualität des Bewerbers nicht wider.

Gestaltung des Portfolios

Für das Illustrieren von Lebensläufen und für den Portfolio-Stil ist unser Tipp: Lieber schlicht bleiben. Das Portfolio erfüllt einen besonderen Zweck:

Es dient der Bündelung und der Präsentation der kreativen Arbeiten
und nicht der Kreation eines Kunstwerks. – Markus Wild

Design statt Kunst: Eine saubere und zurückhaltende Gestaltung unterstreicht den Inhalt und die eigenen Fähigkeiten. Wenn das Design nicht vom Inhalt ablenkt, die Typografie zurückhaltend gewählt ist und der Inhalt spannend kommuniziert ist, erfüllt das Portfolio seinen Zweck.

Die passenden Arbeiten

Besonders legen wir Wert auf die Herangehensweise und die Auswahl der Arbeiten. Interessant ist für uns der Designprozess, der bewusst gewählte Weg zum Ergebnis. Recherchen, Skizzen, Prototypen – der gestalterische Weg zeichnet sich durch Ausprobieren, Dokumentieren und Erklären aus. Auf diese Weise wächst das Design vor den Augen des Betrachters und man wird Schritt für Schritt zum finalen Design geführt. Die gezeigten Arbeiten sollten relevant für die angestrebte Stelle sein und in unserem Fall ein Verständnis für technisch ergonomische Problemstellungen zeigen. Wer dann noch Medical Design-Projekte im Gepäck hat, hat in unserem Fall die richtigen Arbeitsproben ausgewählt.

Im Vorstellungsgespräch überzeugen

Soziale Kompetenzen, Austausch und Verständigung sind unter Kollegen wichtig. Das Interview ist deine Chance, uns von deinen Fähigkeiten zu überzeugen. Dabei geht es insbesondere um die Kommunikation. Bei einer Festanstellung an unseren deutschen Standorten solltest du deine Arbeiten in Deutsch flüssig erläutern können; B2 ist für uns die Mindestanforderung. Im Praktikum können wir uns auch gerne auf Englisch verständigen.

Bewerber können im Vorstellungsgespräch ruhig ein bisschen aufgeregt sein
und sollten davon übersprudeln, mir ihre tollen Projekte zu zeigen. Sie sollten
kluge Fragen stellen und nicht nur ihre auswendig gelernte Story runterbeten.
Ein natürliches Gespräch eben. – Markus Wild

Wir sehen es gerne, wenn du dich im Vorhinein mit uns auseinandergesetzt hast. Auch Ehrlichkeit ist wichtig: Sprich Lücken und Probleme im Lebenslauf ruhig selbst an und erkläre sie.

Hoffentlich sind dir unsere Tipps eine Hilfe im bisweilen auch enttäuschenden Bewerbungsverfahren. Wenn du tatsächlich mal mehrere Wochen auf unsere Rückmeldung wartest, tut uns das jetzt schon leid. Leider geht es nicht immer schneller, aber wir bemühen uns, allen Bewerbern pünktlich eine Antwort zu schicken.

Viel Erfolg für deine Bewerbung!

Das Briefing oder: wie sag ich es meinem Designer?
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Jule

Jule schreibt über Designprozesse und unsere Projekte im Bereich Medical Design.

Originally written by Jule Opp, 12. März 2021. Last updated 13. April 2021

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