Vordenker-Projekt 5 | Laryngoskop – medizinische Abfälle reduzieren.

Einweg-Mentalität in der Medizinbranche

Unser fünftes Vordenker-Projekt behandelt ein hochaktuelles Problem. Die Welt ist voll davon und die Überreste sind in hohem Maße schädlich für die Umwelt und alle Lebewesen: Plastikmüll. Savio Mathew Mukachirayil hat sich in seinem Praktikum bei WILDDESIGN in Gelsenkirchen mit diesem Problem beschäftigt – denn auch in der Medizinindustrie gibt es diesbezüglich Verbesserungsbedarf. Einmal benutzen und anschließend in den Müll…

Savio hat sich ein solches Einweginstrument ausgesucht, das seiner eigenen Erfahrung nach nicht optimal entsorgt wird: das Laryngoskop. Mit seinem Projekt schenkt er uns einen Ansatz für ein Medical Design, das sich zugleich der Umwelt widmet.

Laryngoskop – was ist das?

Laryngoskope kommen in verschiedenen Situationen zum Einsatz – so zum Beispiel beim HNO oder in Notfallsituationen. Savios Idee bezieht sich auf Laryngoskope für die Intubation im OP. Sie haben einen Griff mit Batterie und einen aufsetzbaren Spatel, der in verschiedenen Größen erhältlich ist. Eine Lichtquelle am Gerät leuchtet den Kehlkopf aus, sodass eine Intubationsröhre eingeführt werden kann.

Savios Innovationsprozess

Savio hat sich den normalen Nutzungsprozess angesehen. Dabei stellte er folgendes fest: Spatel und Griff samt Batterie werden in getrennten Plastikverpackungen geliefert. Beim Zusammenstecken der Teile wird eine LED-Leuchte aktiviert. Nach der Intubation werden sowohl der Spatel als auch der Griff und die Batterie entsorgt. Diese wird nicht erneut benutzt, damit sie sich nicht während einer Behandlung entlädt. Anschließend hat Savio die Interessen von Ärzten und Patienten – bezogen auf die Intubation – und die Regulatorien in Krankenhäusern beleuchtet. Für Ärzte ist ein steriles und sicheres Arbeiten wichtig. Sie müssen darauf achten, die Patienten nicht zu verletzen. Wesentlich für Krankenhäuser sind gesundheitsfördernde und effiziente Abläufe.

Eine erfolgreiche, sichere Behandlung und schnelle Erholung stehen für Patienten im Vordergrund. Daraus hat Savio Verbesserungspotential geschöpft und sein Ziel formuliert: ein Laryngoskop zu kreieren, das Ärzten eine komfortable Operation ermöglicht und gleichzeitig das Plastik im Verbrennungsmüll reduziert.

Er entwickelte drei detaillierte Konzepte mit verschiedenen Schwerpunkten und verfolgte eins davon bis zum finalen Design.

Eine Menge Skizzen für 3 Konzepte

Für alle Konzepte fertigte Savio Skizzen und Prototypen an, zeichnete ihre Nutzungsprozesse und führte Materialrecherchen durch. Anschließend fokussierte er sich auf eins der Konzepte, dessen User Journey wie folgt aufgebaut ist:

  1. Spatel und Griff werden nach wie vor in verschiedenen Verpackungen geliefert. Der Spatel ist neu, der Griff allerdings gereinigt und die Lichtquelle wurde nach dem letzten Eingriff aufgeladen.
  2. Der geöffnete Griff wird in die Ladestation der Lichtquelle gestellt und wieder hochgezogen, wobei die Lichtquelle sich aus der Ladestation löst.
  3. Der Handgriff umschließt jetzt das Licht und wird geschlossen.
  4. Der PLA-Spatel wird am Griff befestigt.
  5. Intubation des Patienten.
  6. Ohne die Intubationsröhre zu entfernen, wird das Laryngoskop wieder aus dem Mundraum entnommen.
  7. Der Spatel wird wieder vom Griff gelöst und entsorgt.
  8. Der Griff wird geöffnet und erneut in die Ladestation gedrückt, wobei sich die Lichtquelle löst und auflädt.
  9. Der Handgriff wird in der zentralen Sterilgutversorgung wiederaufbereitet.

Für das finale Konzept testete Savio die Form des Griffs und die Ergonomie. Den Griff verglich er mit verschiedenen Handgriffen und Geräten, z. B. einem Akkuschrauber – auch hier soll das Gerät gut in der Hand liegen und nicht wegrutschen. Beim Intubieren wird das Laryngoskop in verschiedenen Positionen gehalten. Daher variiert die Position von Ellenbogen und Handgelenk. Wesentlich für das Design war also: ein ergonomischer Griff mit korrekter Gewichts-Balance. So entsteht eine einfache Handhabung für den Arzt. Damit der Griff auch aus höheren Positionen gut kontrolliert werden kann, wird das Gewicht auf das untere Ende des Griffs verlagert. Savio fertigte Zeichnungen für mögliche Formen an und baute Griffmodelle, um die Ergonomie zu testen. Er entschied sich für eine elliptische Form, die komfortabel in der Hand liegt und Ärzte in ihren Bewegungen nicht einschränkt.

Die umweltfreundliche Lösung

Das Laryngoskop setzt sich aus verschiedenen Komponenten und Materialien zusammen: Der Griff aus Edelstahl lässt sich gut reinigen und wird für vielmaligen Gebrauch wiederaufbereitet. Der PLA-Spatel wird zwar aus Hygienegründen nach der Nutzung entsorgt, das Material ist aber biologisch abbaubar. Ein weiterer Vorteil: Lichtquelle und Energieversorgung sind im Griff gekapselt und können wiederverwendet werden. Das LED-Licht wird durch den transparenten Spatel an die Spitze geleitet und kann so die Luftröhre ausleuchten. Alle Teile des Apparats werden nahtlos zusammengesetzt.

Auch die Patienten- und Ärztewünsche werden berücksichtigt: Die weichen Kanten des Spatels verringern die Verletzungsgefahr im Rachen. Eine Weiche sorgt für eine einfache Führung der Intubationsröhre und ein flexibles Arbeiten ist dank des ergonomischen Griffs möglich.

Savios Ansatz für ein zurzeit typisches Einwegprodukt geht also das Plastik- und Müllproblem an, indem er eine neue Aufteilung in single- und multiple-use Komponenten vorsieht. Gleichzeitig berücksichtigt er den Komfort von Patienten und Ärzten. Vielen Dank für dieses inspirierende Design!

Wenn Ihnen dieses Konzept oder einzelne Aspekte davon gefallen oder Sie der Meinung sind, dass wir weiter daran arbeiten sollten, lassen Sie es uns bitte einfach wissen. Wir freuen uns auf Ihr Feedback unter vordenker-projekte@wilddesign.de oder über den untenstehenden E-Mail-Button.

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Jule

Jule schreibt über Designprozesse und unsere Projekte im Bereich Medical Design.

Originally written by Jule Opp, 06. Oktober 2020. Last updated 17. November 2020

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