Vordenker-Projekt 3 – Saving Silver – Hüft-Protektor für Senioren

Das dritte Vordenker Projekt ist das der Designstudentin Line Sandborgh. Sie wollte sich für die Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen einsetzen und stieß nach kurzer Recherche auf das Problem der Hüftgelenkverletzungen.

Worum geht es?

Verletzungen bei älteren Menschen sind eine ernste Angelegenheit, da mit zunehmendem Alter die Behandlung immer komplizierter wird und die Folgen für das allgemeine Wohlbefinden schädlich sein können, das nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch die persönliche Autonomie und das soziale Leben umfasst. Diese Verletzungen betreffen nicht nur das Individuum, sondern auch den gesamten medizinischen und sozialen Kostenapparat. Die neue Forschung hat herausgefunden, dass die Hauptursache für Verletzungen diverse Sturzunfälle bei älteren Menschen sind, die es oft schwer haben, sich in jedem Augenblick auf ihre allgemeinen Mobilitätsprobleme und zunehmend instabilen Gangarten einzustellen. Anstatt sich auf die Behandlung bereits entstandener Verletzungen zu konzentrieren, hat sich Line Sandborgh auf die Entwicklung eines Hilfsmittels konzentriert, das beitragen könnte, die gefährlichsten und häufigsten Verletzungen zu verhindern.

Photograph © Michael Coghlan
Fotografie © Michael Coghlan

Wo ist das höchste Risiko?

Stürze und Gleichgewichtsstörungen sind die häufigste Ursache für Verletzungen und passieren nicht nur im Freien auf rutschigem Untergrund, anspruchsvollen Treppenhäusern oder bei sportlichen Aktivitäten. Es geschieht ebenfalls innerhalb der Wohnung, während alltäglicher Verrichtungen, die eigentlich relativ sicher erscheinen, wie z.B. das Aufstehen aus dem Bett oder das Aufstehen aus dem Sitzen.

Frauen sind aufgrund der schwächeren Muskelstruktur, des schwächeren Unterkörpers und der Tatsache, dass sie während ihres gesamten Lebens weniger körperliche Aktivität ausüben, um das 1,5-fache mehr gefährdet. Eine weitere Ursache ist psychologischer Natur und liegt in der erhöhten Vorsicht und Angst, wenn es darum geht, gerade zu gehen.

Frakturen sind die häufigsten Folgen

Leider sind Frakturen die häufigsten Folgen von Sturzverletzungen, und 10-20 Prozent der Verletzungen sind sogar schwerwiegend. Auch hier sind Frauen bei einem 2,2-fach höheren Risiko als Männer. Besonders hervorzuheben sind Hüftfrakturen, die am gefährlichsten sind. Beunruhigende 50 Prozent der Patienten sterben innerhalb von 6 Monaten nach der Verletzung. Auch wenn sie nicht zum Tod führen, sind die Folgen für das allgemeine Wohlbefinden sehr negativ und umfassen Autonomieverlust, soziale Beeinträchtigung, Herzinsuffizienz, Blutgerinnsel und Harnwegserkrankungen. In der Regel sind alle Beschwerden schwierig zu heilen.

Was wünschen sich die Betroffenen?

Bei der Entwicklung des Produktes hat Line Sandborgh viele wichtige Aspekte einbezogen, die eine Problemlösung unter Berücksichtigung sowohl seiner Funktionalität als auch vor allem der Wünsche der älteren Verbraucher haben sollte. Das allgemeine Problem mit bereits vorhandenen Gehhilfen, von denen angenommen wird, dass sie helfen das Sturzrisiko zu verringern, wie z.B. Stöcke und Rollatoren, ist, dass sie mit Verletzlichkeit und Alter verbunden sind, die beide stigmatisierend wirken. Das neue Produkt soll also das Sturzrisiko verringern, vor allem aber das Vertrauen der Nutzer stärken und ihre Autonomie unterstützen, anstatt sie zu behindern. Die Mehrheit der Senioren behauptete, dass sie sich für etwas Modernes entscheiden würden, anstatt für Hilfsmittel, bei denen man sich älter fühlt.

Line`s Lösung

Hier sind die Ziele, die das neue Produkt erfüllen soll:

  1. Verringerung des Risikos einer Fraktur
  2. Bequem zu tragen und zu benutzen
  3. Sieht subtil und gut aus
  4. Vielseitigkeit
  5. Vertrauen bieten und die Angst vor dem Sturz verringern

Im Weiteren hat Line drei Bereiche mit Potenzial für die Entwicklung des perfekten Designs identifiziert.

Nach sorgfältiger Prüfung und Überlegung hat sie die ersten beiden Lösungsgruppen ausgeschlossen. Die erste wäre zu technisch und kompliziert für die Senioren. Der größte Nachteil des zweiten Typs ist die Schwierigkeit für Ältere, die bereits eine eingeschränkte Mobilität haben, sie anzulegen und anzuwenden.

Ein Gürtel mit Schutzeinlagen

Deshalb hat sie sich entschieden, sich auf die Gestaltung einer Weste mit besonders schlagschützenden Materialien zu konzentrieren, die in Taschen platziert sind und sich eng an die Hüften schmiegen. Das Material „Armourgel“ ist zunächst weich, was es angenehm zu tragen macht. Es versteift sich erst beim Aufprall und schützt den empfindlichen Bereich des Körpers. Die Weste ist nicht nur bequem, sondern sieht auch unauffällig aus, was die stigmatisierende Wirkung verhindert.

Um es noch leichter zu tragen und zugänglich zu machen, entschied sich Line jedoch für die Konstruktion als Gürtel mit seitlichen Polstern. Erstens ermöglicht der Gürtel seinen Benutzern, ihn ständig anzubehalten, ohne z.B. die Benutzung des Badezimmers zu erschweren. Zweitens ist der Gürtel vollständig unter der Kleidung versteckt und ermöglicht es seinen Benutzern, sich im Gegensatz zur Weste entsprechend ihrem Stil zu kleiden – denn die Weste müsste ständig getragen werden was dann die Kleiderauswahl deutlich einschränken würde.

Der Gürtel wurde aus feuchtigkeitstransportierendem Material hergestellt, einer Mischung aus Polyester, Elastan, einem atmungsaktiven Material, das die Wärme nicht erhöht und unnötiges Schwitzen verhindert. Darüber hinaus ist das Material dehnbar, so dass es für verschiedene Körpertypen geeignet ist. Schließlich ist es sehr langlebig, was im Endeffekt zu einem kostengünstigen Produkt führt. Auf der Innenseite befindet sich eine rutschfeste Gummifläche, die es dem Gürtel ermöglicht, sich an die Haut anzupassen und nicht nach unten zu rutschen, was entscheidend dafür ist, dass die „Armourgel“-Polsterung den Hüftbereich bedeckt. Der Gürtel ist auf verschiedene Größen einstellbar und wird mit hochwertigem Klettverschluss verschlossen.

Das finale Design

Der Saving Silver Hüftschutzgürtel verbessert einerseits die Haltung, die für ein stabiles Gangbild entscheidend ist und stützt auch den Hüftbereich direkt. Es bleibt jedoch unsichtbar und diskret, was viel mehr Sicherheit bietet als eine Gehhilfe. Damit ist es gleichzeitig eine sofortige und langfristige Lösung, die perfekt zur Vermeidung von Unfällen und Folgeschäden geeignet ist. Mit seinem sportlichen und modernen Look erfüllt er die Bedürfnisse der Anwender perfekt.

Das Konzept funktioniert perfekt mit einigen kleinen Detailanpassungen, die sich ergeben, um letztlich alle Ziele zu erreichen, die sich Line gesetzt hat. Die Verbesserungen zielen auf das Material ab, um es wasserdicht zu machen, so dass der Hüftgürtel unter der Dusche verwendet werden kann und es zu einem kompletten Allrounder wird.

Vielen Dank an Line für ihre tollen Ideen und diese professionelle Designstudie.

Wenn Ihnen dieses Konzept oder einzelne Aspekte davon gefallen oder Sie der Meinung sind, dass wir weiter daran arbeiten sollten, lassen Sie es uns bitte einfach wissen. Wir freuen uns auf Ihr Feedback unter vordenker-projekte@wilddesign.de oder über den unten stehenden E-Mail-Button.

Vordenker-Projekt 2 | ARCO
Stationärer Pflegetisch der Zukunft
Line Sandborgh

Line Sandborgh

Line ist Designstudentin und war für ein halbes Jahr als Intern in unserem Münchner Büro. Sie interessiert sich für alle Designthemen solange es sinnvoll ist und Spaß macht.

Originally written by Line Sandborgh, 17. Februar 2019. Last updated 10. März 2019

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