Vordenker-Projekt 2 | ARCO
Stationärer Pflegetisch der Zukunft

Warum sollen wir uns wichtige Themen erst dann vornehmen, wenn wir dazu beauftragt werden? Dafür haben wir unsere Vordenker-Projekte ins Leben gerufen. Teil 1 gab es bereits im vergangenen Jahr mit dem Thema In-Ear-Wearables.

Um was geht es uns?

Als Designer beschäftigen wir uns mit den unterschiedlichsten Fragestellungen. Welche Technologien werden die Zukunft prägen? Welche Bedürfnisse spielen dabei eine Rolle? Welche Probleme kommen auf uns zu? Wie wird Technik und Digitalisierung den Medizinsektor verändern?

Um Antworten zu finden und die richtigen Fragen zu identifizieren – beschäftigen sich unsere Interns während ihrer Zeit hier bei Wilddesign mit genau diesen.

Unsere neue Artikelserie wird nach und nach einige dieser Arbeiten vorstellen: Im zweiten Vordenker-Projekt geht es um das Medical-Design-Projekt ARCO von Designstudentin Ana Kahl Bulnes – einem Konzept, das sich mit der Zukunft von Krankenhausbetten und mit dem für die Patienten so wichtigen Umfeld beschäftigt.

Bedürfnisse der Patienten im Klinikalltag verstehen

Die Idee des Projekts war es, den Alltag von stationären Patienten im Krankenhaus einfacher und angenehmer zu gestalten und so ihre Lebensqualität während des Aufenthalts zu verbessern. Ana pickte sich den Pflegetisch als Objekt heraus, den es genauer zu untersuchen galt.

Zunächst ging es bei der Entwicklung des Konzepts darum, den Klinikalltag der Patienten zu analysieren. Wie sieht ihr Tagesablauf aus, was sind ihre Bedürfnisse und wie bewältigen sie den eher eintönigen Alltag? Die Analyse ergab, dass es unterschiedliche Nutzungsszenarien für einen Pflegetisch gibt und dass die derzeitigen Produktlösungen nur wenig bis gar nicht auf diese eingehen. Es fiel weiter auf, dass die Nutzungsszenarien sich im Laufe der letzten Jahre mit der Digitalisierung gewandelt haben. Ein spannendes Feld also, was Ana auch dazu antrieb sich mit dieser Thematik genauer auseinanderzusetzen und  hier eine passende Lösung zu formulieren.

Welche Kernanforderungen müssen gelöst werden?

Zu den alltäglichen Routinen, wie Mahlzeiten einnehmen, pflegerischen Verrichtungen und Visiten, ist die Zeit dazwischen für die Patienten entscheidend. In unserer modernen voll-digitalisierten Welt spielt die Benutzung von technischen Geräten wie Smartphone, Laptop oder Tablet auch während des Aufenthaltes im Krankenhaus eine entscheidende Rolle, doch wie wird das Problem der Stromversorgung gelöst und welche Anforderungen ergeben sich an das Umfeld?

Weitere Aspekte betrafen die Aufbewahrung privater Gegenstände, Hygiene und Müllentsorgung. Da die Patienten meist beweglich eingeschränkt sind, ist hier die Erreichbarkeit und Logistik die größte Herausforderung.

Aus der intensiven Recherche stellte Ana die folgenden Anforderungen an einen Pflegetisch für den Krankenhausalltag:

  1. Funktional, beweglich und leicht zu positionieren
  2. Muss zu einer besseren Hygiene beitragen. Sollte aus leicht zu reinigenden Materialien hergestellt sein.
  3. Gute Erreichbarkeit von Steckdosen und abgelegten Gegenständen.
  4. Ausreichend Platz und hoher Benutzungskomfort. Dazu gehört Stauraum beispielsweise für elektronische Geräte, technische Schnittstellen, Abstellmöglichkeiten auch für Flaschen und ein integrierter Mülleimer.
  5. Sollte ästhetisch und aufgeräumt sein, denn der Pflegetisch verkörpert das „Wohnzimmer auf Zeit“ für den Patienten.

Konzeptentwürfe: Adaptives Design überzeugt

Basierend auf diesen Anforderungen machte Ana sich dann an die Erstellung verschiedener Konzepte. Heraus kamen vier Optionen:

  1. Das eigenständige Konzept, bei dem der Pflegetisch auf einem eigenen Fuß steht und durch Rollen frei im Raum bewegt werden kann.
  2. Das adaptive Konzept, bei dem der Pflegetisch an geeigneter Stelle an das Bett montiert wird.
  3. Das Möbelkonzept, ein bewegliches Schränkchen mit der Möglichkeit, den Tisch komplett darin verschwinden zu lassen.
  4. Das befestigte Konzept: Der Tisch steht ebenfalls auf einem Fuß, allerdings ohne die Möglichkeit, ihn zu verschieben.

Durchgesetzt hat sich schließlich das adaptive Konzept 02, da es die Anforderungen umfassend erfüllt. Durch den adaptiven Mechanismus ist es flexibel beweglich – sowohl was die Höhe als auch was die seitliche Positionierung angeht. Auch die Entfernung zum Patienten ist individuell einstellbar. Dabei sind Licht, Stromanschlüsse integrierbar.

Zur optimalen Positionierung am Bett hat Ana sich mit unterschiedlichen Herstellertypen und deren Modellen auseinandergesetzt. Basierend darauf ergaben sich drei Konzepte: Der adaptive Mechanismus kann entweder auf Schienen verlaufen, ausziehbar sein oder zusammengesteckt werden.

Die Details

Die Design-Details sollten vor allem selbsterklärend, einfach und präzise sein. Bei den Maßen stellte sich eine Fläche von 65 cm x 38 cm als optimal heraus. Der Tisch ist klappbar, durch einen Teleskopmechanismus höhenverstellbar und besteht aus leichtem TSG (Thermoschaumguss) -Material.

Um die Funktionalität zu gewährleisten verfügen alle Gelenke über große Freiheitsgrade, sind platzsparend und garantieren eine größtmögliche Erreichbarkeit. Der Tisch kann sowohl nach oben als auch nach unten hin eingeklappt werden. Er besitzt darüber hinaus einen Griff, um die Positionierung zu erleichtern und ist bequem durch einen Hebel elektrisch höhenverstellbar.

Der Pflegetisch verfügt darüber hinaus über Zusatzmodule, die ausreichend Stauraum zur Aufbewahrung von persönlichen Gegenständen zur Verfügung stellen und technische Schnittstellen wie beispielsweise mehrere USB-Anschlüsse und Steckdosen, die ebenfalls vom Bett aus gut erreichbar sind. Das Licht befindet sich an einem flachen Arm, der neben dem Tisch eingeklappt werden kann. Ausgeklappt befindet sich die Lampe direkt über dem Tisch und kann durch Sensortaster oben auf dem Arm bedient und justiert werden.

Das ARCO Konzept geht demnach umfassend auf die Bedürfnisse der Patienten ein und sorgt so für einen bequemeren Alltag im Krankenhaus. Durch seine flexible Einstellbarkeit lässt es sich für jeden Zweck individuell positionieren und bietet darüber hinaus dank Licht- und Stromoptionen weiteren Nutzungskomfort. Durch integrierten Mülleimer und sein pflegeleichtes Material reduziert es Keime und Bakterien und trägt zur Hygiene bei.

Glückwunsch Ana zu dieser guten Vordenker-Leistung. 

Falls Ihnen dieses Konzept oder Aspekte daraus gefallen, oder Sie denken, dass wir daran weiter arbeiten sollten, so lassen Sie es uns bitte wissen. Wir freuen uns über Ihr Feedback an vordenker-projekte@wilddesign.de oder über den e-mail-Button weiter unten.

Vordenker-Projekt 3 - Saving Silver - Hüft-Protektor für Senioren
Vordenker-Projekt 1 | In-Ear-Wearables:
Wettkampf um das bessere Design im Ohr
Ana Kahl Bulnes

Ana

Ana ist Designstudentin und war Praktikantin im Münchner Büro. Sie ist immer an Herausforderungen interessiert und liebt es zu gestalten.

Originally written by Ana Kahl Bulnes, 28. Januar 2019. Last updated 10. März 2019

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