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Designjahr 2013 – was ging und was nicht?

By Markus, 28. Dezember 2013

Vor genau einem Jahr gab es  -> an dieser Stelle erstmalig eine Prognose von uns für das Designjahr 2013. Es war ein Experiment und jetzt wollen wir mal nachschauen, was eingetroffen ist und was nicht. Anhand von 13 Leitfragen ging es um die aktuelle Bedeutung von Produktdesign. Die Original-Prognosen findet ihr im alten Artikel, der mit einem Klick auf die jeweilige Leitfrage erscheint. Und da es sich „nur“ um meine Meinung handelt, freue ich mich schon wieder auf viele konstruktive Kommentare.

Euer Markus Wild
(Gelsenkirchen / zwischen den Jahren 2013/2014 …)

design-prognose-2013

1. Was wird uns das Designjahr 2013 als Wichtigstes bringen?
Spürbar weniger schlechtes Design, so lautete die These vor genau einem Jahr. Durch Google’s Updates im Suchalgorhytmus wurde in diesem Jahr tatsächlich nur noch derjenige gefunden, der wirklich wertvollen Content zu liefern hatte. Die Usability-Diskussion wurde durch Apple’s neue IOS7 Bedien-Oberfläche und durch Windows 8 aufgefrischt und in etlichen Punkten wurden Fortschritte zu Gunsten besseren Contents gemacht. Selbst in den technischen Designprojekten, die in 2013 bei WILDDESIGN liefen, zeigte sich: unsere Kunden legen viel mehr Wert auf die Designqualität und Detailgestaltung, als noch in den Jahren zuvor. Die Tendenz stimmt und der Trend wird sicher noch weiter in die Zukunft tragen.

 

2. Wird Design weiterhin so gefragt sein?
Ja, tatsächlich ist Design weiterhin eine heiss begehrte Ware. Der immer noch wachsende Zulauf zu den renommierten Designwettbewerben (wie red dot oder IF) mag als Messlatte dienen. Die Hinwendung der Gestalter zum Gebrauchswert ist aber meines Erachtens nicht so deutlich zu spüren, wie ursprünglich gedacht. Dafür findet die globale Verlagerung von Luxus und Premium in die sogenannten Emerging Countries auch bei uns im Lande statt. Im Handel wird von BRIC-Touristen gesprochen und gekauft wird nur noch in den Top-Lagen in Deutschland.

 

3. Was sind die Wünsche der Verbraucher?
Bequemlichkeit und niedriger Preis sind weiterhin die Treiber für den Handel. Die alleinige Dominanz des Preises hat fühlbar nachgelassen, Service und Convenience müssen jetzt auch stimmen. Produktinnovationen und hohe Produktqualität stehen allerdings noch klar in der zweiten Reihe. Die wahren Wünsche der Verbraucher sind persönlicher geworden und können einerseits immer besser über Social Media untersucht, andererseits aber immer weniger über industrielle Produktion befriedigt werden. Klare Chance für Kleinserien-Anbieter sowie Leute mit kreativem Gespür und einem 3D Drucker.

 

4. Wann kommt das Thema Nachhaltigkeit im Design an?
Im Jahr 2013 war von Nachhaltigkeit noch nicht viel zu spüren, von mehr Spiritualität in der Wirtschaft auch noch nicht. Gleichwohl: Projekte bei WILDDESIGN hatten immer öfter einen ganzheitlichen 360° Ansatz, integrierten Marke und Produkt, Marketing und Produktentwicklung, waren auf Ressourcen- und Energie-Effizienz ausgerichtet. Hier gibt es noch viel zu tun und 2014 wird in dieser Hinsicht vielversprechend.

 

5. Wie stehen die Unternehmen zum Faktor Design?
Treffer, es wird wieder in-gesourced. Das konnten auch wir bei unseren Kunden beobachten. Auch das Outsourcing der Entwicklungs- und Designabteilungen kehrt sich langsam wieder um. Insgesamt wächst die Einsicht, dass komplett entkernte Unternehmen, ohne Entwicklungs- oder Fertigungskompetenz, zu schwach für die Herausforderungen der Zukunft sind. Mindestens eine Führungskompetenz muss Inhouse gegeben sein und dafür braucht die Industrie Designer.

 

6. Wie entwickelt sich die Konkurrenzsituation im Design?
Nichts Besonderes, möchte man meinen. Harte Preiskämpfe gibt es in der deutschen Designszene wohl noch nicht und die Zeiten, als sich ein halbes Dutzend Design-Dienstleister in unterbezahlten Pitches überboten, gehören hoffentlich der Vergangenheit an. Der deutsche Markt ist noch relativ geschlossen für ausländische Anbieter (Sprachbarriere), aber im Internet in den zahlreichen Freelancer-Börsen wandelt sich das Geschäft grade.

 

7. Mit welchem Geschäftsmodell haben Designer in 2013 Erfolg?
Social Media hat im Jahr 2013 auch für die Kreativwirtschaft enorm an Fahrt aufgenommen. Selbst unsere Bundesregierung hat das Thema schon erkannt. Wir selbst haben viel Zeit und Mühe in XING, LinkedIn, Twitter, Facebook und Pinterest gesteckt und viele Kollegen tun das gleiche. Obwohl der geschäftliche Nutzen noch nicht eindeutig messbar ist, baut man fleissig am Netzwerk und der eigenen Community und versucht, seine Linie und seinen Stil zu finden. Mit Online- und Content-Marketing können Designer heute schneller bekannt werden, als je zuvor, aber das Geschäftsmodell No. 1 bleibt die Mund-zu-Mund Propaganda.

 

8. Wie verändert sich die finanzielle Situation in der Designbranche?
Die aktuelle Konjunktur begünstigte 2013 meiner Beobachtung nach vor allem die etablierten kleineren und mittleren Designbüros. Auch wir konnten ein ordentliches Jahr einfahren. Insbesondere das Wachstum in interdisziplinären Projekten, die Marke und Produkt integrierten, lässt hoffen. Viele Unternehmen suchen nach neuen Betätigungsfeldern und Standbeinen, teils vorausschauend und teils aus wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus, da ist die Designwirtschaft keine Ausnahme.

 

9. Welche Trends beeinflussen das Designbusiness?
Vorneweg: Wir haben uns in diesem Jahr doch noch keinen 3D-Drucker angeschafft. Das Ablenkungspotenzial (stundenlanges Warten vor dem Drucker bis das Teil endlich fertig ist) war uns noch zu hoch und die benötigten Prototypen liegen dank DHL trotzdem am nächsten Tag auf dem Tisch. Auch Crowdsourcing und Croudfunding haben wir nicht ausprobiert. Sind wir jetzt rückständig? Vielleicht. Trotzdem bin ich der Meinung, dass der Trend zur Demokratisierung der Entwicklungstätigkeiten weiter voranschreitet und für das etablierte Designbusiness eine Reihe von Herausforderungen bereit hält.

 

10. Wie entwickelt sich der Designstandort Deutschland?
Treffer. Die Deutschland AG steht international weiterhin gut da und Design hat seinen Anteil daran. Wir haben in 2013 ein hohes Tempo bei Neuentwicklungen erlebt, die Herausforderung „globaler Wettbewerb“ wurde also quasi angenommen. Lokale Kooperationen und heimische Kreativdienstleistungen – das wurde nachgefragt. In punkto „Ausverkauf deutscher Entwicklungskraft“ sehe ich die Lage heute entspannter als noch vor einem Jahr.

 

11. Wie wirkt sich die fortschreitende Globalisierung auf das Design aus?
Nachdem die langersehnte Business-Bibel REMOTE im Herbst endlich auf den Markt kam, wurde deutlich, was in den Staaten schon voll im Gange ist und was hier in Europa in den nächsten Jahren auf uns zukommt: die Auflösung des Büros als einzig möglichen Ort, seine Arbeit zu tun. Die Flexibilisierung der Arbeit ist im Gange, nur die Effizienz in der Organisation ist noch nicht wirklich gelungen. Der interkulturelle Aspekt der Arbeit rückt in den Fokus. Mit ein Grund für uns, viel Zeit in unser Projekt WILDCARDS zu investieren.

 

12. Was sind die wichtigsten Tools für Designer in 2013?
Meines Erachtens war es weniger der 3D Drucker, als Social Media. Der Informationsaustausch zwischen den Coworkern nimmt inzwischen eine Schlüsselstellung ein. Wie schnell und gut kann man die erforderlichen Informationen zusammenbringen, mitteilen und dokumentieren? In Zukunft wird es offene Unternehmen geben, die weit verzweigt kooperieren und geschlossene, die ihre Innovationskraft nicht (mit)teilen. Welche Strategie am Ende erfolgreicher sein wird, hängt unter anderem von der Leistungsfähigkeit und Sicherheit des Internet ab.

 

13. Was passiert stilistisch in 2013 – was sind die Trends?
Hier muss ich mir vehement widersprechen: Zwar sind Apple-Produkte weiterhin die Ikonen der Weltwirtschaft, aber inzwischen hat durch diese stilistische Monokultur eine weitgehende Orientierungslosigkeit eingesetzt, die alles neben dem Apple-Stil als willkürlich erscheinen lässt. Neben einer Rückbesinnung auf Inhalt und Funktion, die Basis für gutes Design, keimt ein neues Bewusstsein für Stile und Stilistik auf. In 2013 haben wir deshalb damit begonnen, bestehende Strömungen zu sortieren und Stile zu sammeln und auszuprägen. Das Projekt ist voll im Gange (hier ein erster Artikel über stealth design) und bildet die Grundlage für die Ausblicke auf das neue Jahr: -> 14  Produktdesign-Trends für 2014 viel Spaß bei der Stilbildung.

 

Das war nun der Rückblick auf das Designjahr 2013. Die Prognosen lagen nicht ganz so daneben, glaube ich. Zumindest waren sie Anlass zu engagierten Diskussionen und zur Auseinandersetzung mit der Frage: Quo vadis Designer? …wie sie soeben auch von der FORM in den Raum gestellt wurde.

 

Jetzt hast du die 13 Aussichten für die Designbranche alle gelesen und ich hoffe, du bist einverstanden. Schreib doch bitte einen Kommentar dazu, was diese für dich bedeuten – und  wenn du anderer Meinung bist, bitte ich ganz besonders darum. Hier unten geht’s los…

How to Stay Creative Away from Work
Produktdesign-Trend Stealth Design
Markus

Markus

Markus schreibt über Design- und Innovationsmanagement, Kreativitätsmethoden, Medical Design und Intercultural Branding. Mehr über…

Eine Antwort zu “Designjahr 2013 – was ging und was nicht?”

  1. […] die er jetzt, Anfang 2014 noch­mals Revue pas­sie­ren lässt und gleich­zei­tig ein Update […]

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