DESIGN SPRINT 9 Durchatmen – Med Air Single-Arm-Nasenkanüle

Das 9. Vordenker Projekt stammt von Konstantin. Auch sein Praktikum bei WILDDESIGN am Standort München fiel leider genau in die Zeit des ersten Lockdowns im März 2020. Nach einer Woche bei uns ging es direkt ins Homeoffice. In seinem selbstgewählten Projekt beschäftigte sich der angehende Designer mit der Sauerstoffzufuhr über eine Nasenkanüle. Er entschied sich für ein Projekt mit großem Aktualitätsbezug und entwarf die Single-Arm-Nasenkanüle.

Nasenkanülen werden in der Medizin vielseitig eingesetzt und dennoch stehen Patienten und Mitarbeiter im Krankenhaus immer wieder vor denselben Problemen. Um sich diesen Herausforderungen zu stellen interviewte Konstantin Schwestern des Klinikum München Süd.

Es stellte sich heraus: die statistisch am häufigsten betroffenen Gesichtsbereiche sind der Nasenrücken, der Schläfenbereich und der Schädelbereich hinter dem Ohr. Diese wurden beim Design des Med- Airs berücksichtigt und optimiert.

Aktuell gibt es drei verschiedene Arten von Nasenkanülen. Die erste ist die Low-Flow-Nasenkanüle. Ihre Durchflussrate liegt bei bis zu 6 Litern und ist der Standard in der Zusatz Beatmung. Die High-Flow-Nasenkanüle hat eine Durchflussrate bis zu 60 Litern und ist mit einem Anschluss an Heizelement und Luftbefeuchter ausgestattet. Für Patienten, die eine High-Flow-Nasenkanüle nicht vertragen eignet sich die High-Flow-Maske mit gleicher Ausstattung and Durchflussrate. Sie findet beispielsweise Anwendung in der Heilungsphase nach einer Nasen- und Nebenhöhlen OP. Konstantin entschied sich für das Design einer Low-Flow-Nasenkanüle. Es geht um ein User-Centered Design, das es sich zur Aufgabe macht, verschiedene Probleme von Patienten mit Nasenkanüle zu beheben:         

Wenn atmen einschränkt – Der Schlauch

Herkömmliche Nasenkanülen haben häufig einen Schlauch, der hinter den Ohren vorbei wieder nach vorne führt. Diese Schlingen vor der Brust stören nicht nur, die Schläuche verheddern sich oft und können dadurch die Wirksamkeit der Anwendung verringern. Zusätzlich können sie bei den Patienten sogar ein Gefühl von Strangulation auslösen, wenn die Schläuche am Kinn zusammengeführt werden. Wird der Schlauch hinten entlanggeführt, ist das für Patienten vor allem beim Liegen unangenehm und kann Druckstellen von den Hülsen verursachen.

Konstantins Single-Arm-Nasenkanüle hat nur einen Schlauch, der hinter einem Ohr mit einer Klebefläche fixiert ist. Das dadurch gesparte Material kann für eine zusätzliche Längenveränderung des Schlauches verwendet werden, die zur Bewegungsfreiheit des Patienten beitragen kann. Das ist nicht nur für den Patienten eine Entlastung, sondern auch kostensparend in der Produktion. Mit dem Med-Air besteht keine Verhedderungsgefahr und die Einschränkungen des Patienten reduzieren sich. Theresa G., einer Schwester im Klinikum München Süd ist dieses Problem wohl bekannt. Sie berichtet, dass Schwestern in Handarbeit die Schläuche verlängern müssen, um die Bewegungsfreiheit der Patienten zu verbessern. Ihrer Ansicht nach sind die Schläuche mit meist 2.10 Metern einfach zu kurz.

Zusätzlich wurde der Schlauch mit einem komfortfördernden Design versehen. Eine besondere Schlauch-Innen-Geometrie verhindert das Abklemmen der Sauerstoffzufuhr durch das Liegen auf dem Schlauch. Das garantiert eine zuverlässige Luftzufuhr auch im Liegen.

Optimale Luftzufuhr durch optimierte Kanülen

Auch die Kanülen können ein Problem darstellen. Hier ist es besonders wichtig auf die Anatomie der Nasenscheidewand zu achten.

Ein Sauerstoffschlauch besteht immer aus zwei Kanülen, den sogenannten Prongs, die an der Sauerstoffbrille befestigt sind. Die Brille geh wiederum in den Sauerstoffschlauch über.

Für die Prongs der Nasenkanüle gibt es verschiedene Formen. Ist der Naseneinsatz gerade, bekommt der Patient zwar eine gute Sauerstoffzufuhr, doch entspricht das nicht der Anatomie der Nase und wird beim Tragen als nicht angenehm wahrgenommen. Eine Trichterform verlangsamt den Sauerstofffluss. Sind die Kanülen gebogen, haben sie anatomisch einen perfekten Sitz. Eine Kombination aus diesen aus geradem und gebogenem Naseneinsatz führt zum perfekten Ergebnis: Breite, trichterförmige Prongs mit einer Biegung, angepasst an die Anatomie der Nasenscheidewand. Das Griffbrett erleichtert das Einsetzen und das Herausnehmen der Kanüle.

Der Naseneinsatz (Komponente A) besteht aus drei teilen: der Nasenkanüle mit den Prongs, einer Spange und einer Gripfläche. Die Kanüle ist mit einer Spange versehen, die die Spannung in der Nase halten soll, sodass . Hier gilt es die Balance zu finden zwischen Tragekonform und der Gewährleistung eines sicheren Halts. Die Gripfläche aus Silikon sorgt für einen stabilen Halt und vor allem für ein positives Tragegefühl. Das Silikon ist ein weicheres Material, dass flexibel, weich und angenehm zu tragen ist.

Schmerzfrei beim Durchatmen

Der Med-Air besteht neben der Nasenkanüle auch aus einem Ohrenstück (Komponente B). Der Sauerstoffschlauch wird dadurch hinter dem Ohr entlang geführt.

Patienten mit einer Nasenkanüle klagen häufig über wunde Stellen hinter den Ohren. Dieser „Wundrieb“ sorgen für einen sehr geringen Tragekomfort und führt dazu, dass die Patienten selbst improvisierte Polsterungen basteln. Konstatins Lösung für dieses Problem ist eine zum System gehörende Ohrpolsterung. Aktuell werden bereits Schlauchummantelungen aus Schaumstoff eingesetzt, doch der Halt ist nicht besonders zuverlässig. Das unbeabsichtigte Herausreißen der Nasenkanüle lässt sich nicht mit den Hygienevorschriften von Kliniken vereinbaren und ist dennoch Alltag, so Theresa.

Med-Air kann mit Hilfe einer kleinen Klebefläche einen guten stabilen Sitz hinter dem Ohr gewährleisten. So bleibt die Kanüle dort wo sie sitzen soll und fällt nicht auf den Boden. Das steigert die Hygiene und vermindert unnötigen Materialaufwand. Das ist nicht nur eine Win-Win Situation für den Patienten, die Krankenhaus-Mitarbeiter und den Hersteller, sondern ist auch für die Umwelt ein Segen. Weniger Material bedeutet weniger Müll. Ein gutes Design erleichtert den Nutzern das Leben. Ein noch besseres Design ist einfach in der Handhabung, nutzerzentriert und umweltbewusst.

Konstantin ist Student für Produkt und Industriedesign in Darmstadt. München ist für ihn kein ungewohntes Terrain, denn der gebürtige Bayer kommt aus dem Umland.

Medical Design hat es ihm angetan. Besonders freut uns für Konstantin, dass er die Idee für seine anstehende Abschlussarbeit bei der Recherchearbeit für diese Projekt fand. Wir bedanken uns bei Konstantin für die Zusammenarbeit. Für seine Abschlussarbeit drücken wir beide Daumen. Bei dem nächsten Besuch in der Heimat freuen wir uns über ein Treffen an der Isar oder am Starnberger See.

Wenn Ihnen dieses Konzept oder einzelne Aspekte davon gefallen oder Sie der Meinung sind, dass wir weiter daran arbeiten sollten, lassen Sie es uns bitte einfach wissen. Wir freuen uns auf Ihr Feedback unter vordenker-projekte@wilddesign.de oder über den untenstehenden E-Mail-Button.

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Lisa

Lisa schreibt über Design Prozesse und Projekte aus dem Münchner Büro im Bereich Medical Design.

Originally written by Lisa Marina Thierbach, 10. März 2021. Last updated 09. April 2021

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