Left Menu Icon
Right Menu Icon

13 Prognosen zum Design-Jahr 2013 (1/3)

By Markus, 06. Januar 2013

Design löst Probleme, Design trifft ins Herz, Design polarisiert. Wir wollen wissen, was in diesem Jahr auf uns zukommt. Deshalb haben wir uns 13 Leitfragen gestellt und sie auch gleich beantwortet. Was meinen Sie? Stimmen Sie zu, oder sehen Sie das anders? Hier kommt der erste Teil. Viel Spaß beim Lesen. (-> und hier gehts zum Review der Prognosen genau 1 Jahr später)
1. Was wird uns das Designjahr 2013 als Wichtigstes bringen?
2. Wird Design weiterhin so gefragt sein?
3. Was sind die Wünsche der Verbraucher?
4. Wann kommt das Thema Nachhaltigkeit im Design an?

1. Was wird uns das Designjahr 2013 als Wichtigstes bringen?
Spürbar weniger schlechtes Design.
So plötzlich, wie das? Durch mehr Konzentration auf den Inhalt. Google setzt hier die weltweiten Standards. Wer beachtet werden will, muss guten Content liefern. Nachdem jahrelang im Marketing smarte Taktiken angewendet wurden, ist nun so etwas wie eine taktische Resignation zu spüren – und die Folge: es bleibt uns nichts anderes übrig als doch gute Produkte zu schaffen.
Gut heißt in dieser Zeit: bequem und einfach bedienbar. Ergonomie in Soft- und Hardware wird zur Messlatte für gutes Design. Das Schlagwort Usability hat Hochkonjunktur. Treiber für diese plötzliche Hinwendung zur Qualität ist wiederum das Internet und die weltweit verbreiteten Smartphones und Tablets. Sie setzen die Standards für Bedienoberflächen, für alle Produkte von der Küchenwaage bis zum Augenchirurgiegerät. Das ist allerdings nicht so leicht zu realisieren, da nicht alles in so hohen Stückzahlen hergestellt wird, wie Kommunikationselektronik.

2. Wird Design weiterhin so gefragt sein?
Der Design-Hype wird zwar leiser, die Oberflächeneffekte matter, aber das Stichwort Design ist so vielfältig belegt, dass es auch in 2013 viel Aufmerksamkeit findet. Die Entwickler werden sich zu mehr Substanz hinwenden und den Gebrauchswert ins Zentrum stellen. Das Luxus- und Premium-Segment, die bisherige Heimstatt von Design und Style, wandert mehr und mehr in die Schwellenländer und sog. Emerging Countries. Der große Nachholbedarf in Ländern wie Indien, Russland oder China schafft die neuen Luxusmärkte. In Europa und den USA normalisieren sich dagegen die Ansprüche der Verbraucher.

3. Was sind die Wünsche der Verbraucher?
Die Zeiten des Me too und des „Hauptsache billig“ gehen zu Ende. Der informierte und im Internet recherchierende Verbraucher fordert einen deutlichen Mehrwert gegenüber den vergleichbaren Produkten. Und schließlich kauft er sein Wunschprodukt doch zum billigsten Preis. Innovation ist angesagt, wie kommt man hinter die wahren Wünsche der Verbraucher? Mut zum Neuen wird eher belohnt als früher. Die neue Disziplin: Gut Genug Produkte und Gut Genug Anbieter, selbst in so hochkarätigen Märkten wie der Medizintechnik (Bain-Studie „The end of healthcare…as we know it.)

4. Wann kommt das Thema Nachhaltigkeit im Design an?
Design wird endlich als holistische Aufgabe begriffen. Marke und Produkt aber auch Marketing und Produktentwicklung wachsen immer mehr zusammen und müssen sich im Zusammenspiel neu erfinden. (siehe Artikel Dan Shipper/ über Jason Fried) Die Disziplinen verlieren ihre starren Grenzen, Komplexität wird nicht mehr annähernd voll durchdrungen, sondern von Fachleuten kuratiert und moderiert. Der Geschäftspartner Designer wird zum Kurator und Lotsen. In diesem hyperkomplexen Aktionsraum hat das reine Kosten-Nutzen-Modell nicht mehr genügend Verlässlichkeit für die Erreichung wirtschaftlicher Ziele. Die Sinnfrage kommt immer öfter ins Spiel. Spiritualität ist in der Economy angekommen. (Der Verband Deutsche Industriedesigner, VDID veröffentlichte jüngst einen neuen Verhaltenscodex für Designer)

 

Welches sind Ihre Prognosen für das Design in diesem Jahr? Vielleicht haben Sie einen anderen Blickwinkel, kommen aus einem anderen Kulturkreis. Schreiben Sie einen Kommentar mit Ihrer ganz persönlichen Prognose, hier unten geht’s gleich los…

Hier noch schnell der Ausblick auf die weiteren Fragestellungen:

5. Wie stehen die Unternehmen zum Faktor Design?
6. Wie entwickelt sich die Konkurrenzsituation im Design?
7. Mit welchem Geschäftsmodell haben Designer in 2013 Erfolg?
8. Wie verändert sich die finanzielle Situation in der Designbranche?
9. Welche Trends beeinflussen das Designbusiness?

10. Wie entwickelt sich der Designstandort Deutschland?
11. Wie wirkt sich die fortschreitende Globalisierung auf das Design aus?
12. Was sind die wichtigsten Tools für Designer in 2013?
13. Was passiert stilistisch in 2013?

(-> und hier gehts zum Review der Prognosen genau 1 Jahr später)

13 Prognosen zum Design-Jahr 2013 (2/3)
Welche Rechte am Design habe ich als Auftraggeber?
Markus

Markus

Markus schreibt über Design- und Innovationsmanagement, Kreativitätsmethoden, Medical Design und Intercultural Branding. Mehr über...

11 Antworten zu “13 Prognosen zum Design-Jahr 2013 (1/3)”

  1. […] mit eige­nen Per­spek­ti­ven zum Design betrei­ben. Kürz­lich ver­öf­fent­lichte Wild „13 Pro­gno­sen zum Design-Jahr 2013“ aus selbst gestell­ten Fra­gen und Ant­wor­ten, die wir hier aus­zugs­weise […]

  2. Adrian Letzner sagt:

    Henning,
    ich sehe das ganz ähnlich (wobei pauschal, pauschal ist – jeder konkrete Auftrag ist grundsätzlich individuell – von A bis Z…) der Umstand, dass die meisten unserer Mitmenschen nicht das machen was sie sagen ist ein „Ding“. Ich bin eigentlich Berufsoptimist – was mich schon seit meinem Studium immer wieder ärgert ist, dass sich die Branche in kreativer Naivität selbst demontiert. Gleichzeitig verschwimmt zusammen mit der Kalkulation die Grenze zwischen „noch“ Design und „schon“ Oberflächenkosmetik – die meisten Kollegen scheuen inzwischen aus „Zeit-ist-Geld-Gründen“ sich in neue Themen fundiert einzuarbeiten. Die „alles-klar“-Mentalität funktioniert oft genug – kurzfristig.

    „Design ist keine Tiefkühlkost…“
    Sieht man als „Kommunikateur“ einmal das Thema Gestaltung / Konzept aus Auftraggebersicht wird einem klar, dass viel zu viele Aufträge entweder „blauäugig“ kalkuliert sind (Schleuderpreis, um Auftragswahrscheinlichkeit zu erhöhen) und/oder der Gegenwert unzureichend kommuniziert wird. Wie das Beispiel BOING Dreamliner zeigt, ist es in der „digitalen Argumentation“, die sich lieber auf Zahlen und Effizienzoptimierung stützt (statt gleichwertig auf Erfahrung und Ingenieurs-Wissen) oftmals zunächst unwichtig, welcher „Endeffekt“ mit welchen Mitteln TATSÄCHLICH erzielt wird!

    Nicht alle Designauftraggeber sind langjährige Marketing-/Design-Profis in der Beauftragung – ich kann es keinem Kunden verübeln wenn er die Stirn runzelt beim Vergleich von angebotenen Designleistungen! Selbst bei GWA-Agenturen (da wird schonmal ein halbes Jahr „pro bono“ für SIXT umsonst gearbeitet…) bringt die freie Marktwirtschaft + Konkurrenzdruck sicherlich Unterschiede hervor, die praktisch nicht nachvollziehbar sind (10.000 Euro statt 50.000 Euro für den gleichen Leistungsumfang).

    Parallel zu dieser allgemeinen Verunsicherung läuft oft genug bei der Beauftragung etwas schief, weil „irgendjemand“ unter Zeitdruck „irgendwo“ ansetzt.
    Konkretes Beispiel: ein größeres Unternehmen aus der Investitionsgüterbranche sieht sich auf einem guten Weg indem es eine Web-Design Agentur beauftragt ausgehend von der Website-Neugestaltung auch gleich noch das neue Firmenerscheinungsbild „mitzuentwerfen“… Ein Schelm, wer daran denkt, dass ggf. mangels vorhandener Kompetenzen der CI-Auftrag abgelehnt würde $-J
    Ein „Knackpunkt“ für mich ist zudem, dass zumindest in Vergangenheit die „Lehre“ an den Designhochschulen im internationalen Vergleich oftmals sehr weit von der freien Wirtschaft entfernt war – ein kurzes Praktikum ist hilfreich, aber je nach Designdisziplin und Hochschule schwimmen da viele Professoren immer noch „in der eigenen Suppe“ – ein „Stellmechanismus“ existiert nicht und die Studierenden lassen sich dann nach Studienende hochmotiviert in Top10-Agenturen verheizen, um sich wenigstens irgendwie selbstzuverwirklichen.

    Kurz zu 4.
    speziell: „(Der Verband Deutsche Industriedesigner, VDID veröffentlichte jüngst einen neuen Verhaltenscodex für Designer)“. <<<< Das ist ansich ein begrüßenswerter Ansatz, jedoch wird sich dadurch nicht ändern, dass auch Industriedesigner oft genug aus dem HomeOffice heraus "Märchenkalkulationen" erstellen oder Regionen wie die um Schwäbisch Gmünd munter in einen gesättigten Markt Nachwuchsdesigner "ausspucken". An Standorten wie diesen steigt dann die "Designerdichte" derart an, dass ähnlich wie in einer Reportage (Standort BERLIN) zahlreiche sehr interessante Aufträge bearbeitet werden können – einige sogar bezahlt"… das kann es eigentlich für 2013-2014-2015ff nicht sein.

    Aber lassen wir uns (wie jedes Jahr) überraschen und versuchen wir dem eigenen Codex zu folgen und die Begeisterung für das Thema Design ab und zu durchblitzen zu lassen 8-D

  3. @Hans van Rheenen – Design ist überall, auch im Versicherungswesen. Überall, wo Hindernisse überbrückt werden müssen, meist Kommunikationsbarrieren, sollte sich ein Designer herausgefordert fühlen.

  4. @A.Hilburg – Vielleicht eher ein „designers wet dream“. Zumindest in der Medizintechnik kann man einen „Forder-Grund“ für Usability ausmachen. Das MPG (Medizinproduktegesetz) lässt Herstellern keine Wahl mehr. Wir werden aber weiter mit einer sinnfälligen Handhabung und gesundem Menschenverstand argumentieren, als mit dem Gesetz Entscheidungen zu forcieren.

  5. Hans van Rheenen sagt:

    „Design ist eine holistische Botschaft, die mittlerweile binnen 10 Sekunden angekommen sein muss …“ – dies ist meine Definition.

    Hallo Markus Wild,

    Herzlichen Dank für Ihre 15-Minuten-Lektüre. Als crowdsourcer bin ich momentan „Designer“ in Foren, die sich mit dem sich rasch ändernden öffentlichen Bild im Bereich Versicherungswesen beschäftigen. Diese „unsympathische“ Branche ist leider höchstens indirekt mit dem Faktor „Visuelle-Produkte“ zu bearbeiten und die abgeschotteten Chefetagen ausnahmslos mit sich selber, Statistiken und nach Innen gerichteten „Visionen“ beschäftigt. Trotzdem kommt es auch hier auf verständliche Botschaften an. Es ist zu vergleichen mit der abwehrenden Haltung von Ärzten, als wir damals mit dem Krankenschwester-freundlichen Optiplan-System anfingen. Abwehr, ringsum! Heute sind die Interessen von Ärzten, Pflegekräften, Krankenversicherungen und Patienten weitgehendst elektronisch gekoppelt als Symbiose. Oft denke ich noch an diese gemeinsame Pionierzeit zurück. Umlenken kostet eben seine Zeit!

    Ihnen wünsche ich weiterhin viel Erfolg!

    Hans van Rheenen
    Kritikaster.

  6. A.Hilburg sagt:

    Schön dass die Usability wieder nicht nur im „Vordergrund“ steht, sondern auch im „Forder – Grund“. Wie war das noch mit Bauhaus Design?
    Die Hochglanz Stücke im Lebensraum relativieren sich schnell, wenn man Kinderfinger wegwischen muss. Oder die so glatte Oberfläche einer Fernbedienung ohne Beleuchtung, die im abgedunkelten Wohnzimmer nicht mehr zu erfühlen und zu ersehen ist…

    Dann spricht man nicht nur von „engineers dream“ vielleicht auch von „designers dream“?

    Ein Ingenieur

    Lieben Gruss anregender Artikel.

  7. @Henning Horn – Danke für Ihren Kommentar. Ein tiefes Verständnis, das braucht Zeit und die Gelegenheit, dass die Partnerschaft zw. Unternehmer und Designer wachsen kann. Vielleicht erwarten wir auch von unseren Auftraggebern am Anfang zu viel? Beide Seiten haben wenig Geduld miteinander. Von der Designerseite würde ich mir wünschen, dass wir uns nicht gleich über unzureichende Briefings oder unrealistische Vorgaben beklagen. Ein Gespräch in guter Atmosphäre hilft da meist. z.B. beim Essen … http://flip.it/ioEZu

  8. @OLiver Da kann ich Ihnen nur beipflichten. Leider ist in DE eher ein Abbau der ästehtischen Schulung im Gange. Schön finde ich aber Ihre Idee für eine Kategoriesuche auf Ferienseiten „am wenigsten grausige Einrichtung“. Würde bestimmt am meisten geklickt …

  9. Oliver sagt:

    Ich wünsche mir Ästhetikunterricht an unseren Schulen, damit dem Thema Design insgesamt mehr Wertschätzung widerfährt. Was man alleine täglich an Augenbeleidigungen via Powerpointdisastern erfährt, würde dann ein Ende haben und Ferienwohnungen würde man dann auch nach der Lage suchen können und nicht nach der am wenigsten grausigen Einrichtung.

    VG
    OH

  10. Henning Horn sagt:

    Danke für die ermutigenden Antworten 1 bis 4. – Der wichtigste Schlüssel, ob das alles eine Chance bekommt wahr zu werden, liegt nach meiner Erfahrung bei Frage 5. Denn allein Lippenbekenntnisse von Unternehmerseite reichen nicht aus. Es geht auch bei Design-Auftraggebern zunächst um ein tieferes Verständnis der Sache. Darauf müssen sie sich mit festem Willen einlassen – woran ich gelegentlich zweifele … Möge ich mich täuschen, für die Zukunft besserer Gestaltung!
    Henning Horn

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Facebook Icon Twitter Icon LinkedIn Icon RSS Feed Icon Pinterest Icon Instagram Icon
×

Get our newsletter

Want the latest and greatest from our blog straight to your inbox? Simply sign up!


Top